Am 19.5.2019, dem Internationalen Museumstag, konnte die VRV im Landesmuseum Trier ihre neue Kelter erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Neben den theoretischen Erläuterungen am Weinbergsmodell wurden ganz praktisch die einzelnen Arbeitsgänge beim Keltern gezeigt:

Das Vorpressen der Trauben, um die Fruchtschale zu knacken.

Zuerst wurde das Pressgut abgedeckt

und die Lücke zwischen Abdeckung und Hebel aufgefüllt.

 

Der gekelterte Most lief in ein Auffangbecken. Im antiken Original hätte er jetzt 24 Stunden Zeit gehabt, um sich durch Absetzen der Trübstoffe zu klären.

Funktionsmodell eines römischen Kelters:

 (Baufoto)


In Brauneberg (Mosel) befindet sich eine Kelteranlage aus den 3. Jhd. n. Chr.
Mit dem Bau eines Funktionsmodells dieser Kelteranlage, wollen wir zum einen die Vorgehensweise bei der antiken Weinherstellung aufzeigen. Zum Anderen aber auch die Unterschiede zur heutigen Weinherstellung herausarbeiten.
Im Gegensatz zu vielen anderen Kelteranlagen an der Mosel, war der Kelterbaum in einer Wand, als Gegenlager, gelagert.Bedingt durch die „Brauneberger“ Bauweise konnte ein leichterer Gewichtsstein, ca.600 kg, verwendet werden. Der Gewichtsstein schwebt beim Pressvorgang, der Länge nach aufgehängt, über einer Grube.

Natürlich mussten bei der Rekonstruktion einige Kompromisse gemacht werden: Aus Transportgründen entschieden wir uns zu einem Maßstab von 1:4,5. Da wir keine komplette Schieferwand transportieren können, wurde das Gegenlager des Pressbalkens in Holzständerbauweise ausgeführt.
 

Wir wollen mit diesem Kelter die Funktion einer Kelteranlage darstellen und erklären. In diesem Kontext sollen natürlich auch die Arbeitsschritte der Weinbereitung demonstriert und erklärt werden. Dies fängt an bei der „Maischung“ der Trauben, geht weiter über den Pressvorgang.Anschließend das Absetzen der Trubstoffe, die Vorklärung und zu guter Letzt den Weinausbau und den Transport des fertigen Weines in Transportamphoren.
 

Die Idee zur Nachbau Römischer Messtechnik:

Wir wollten den Chorobaten und die Groma nachbauen und testen.  

Die Rekonstruktion der Groma

In einem ersten Versuch begannen wir mit der  Rekonstruktion eines Chorobaten auf der Grundlage der „10 Bücher über Architektur“ des antiken Ingenieurs Vitruv. Dabei handelt es sich um ein Messinstrument um z.B. Wasserleitungen zu bauen. Vitruv beschreibt die Abmäße im 5.Kapitel wie folgt: „Der Chorobat aber besteht aus einem etwas längeren Richtscheit von etwa zwanzig Fuß, welches an den äußersten Enden ganz gleichartig gefertigte Schenkel hat, die in die Enden des Richtscheites nach dem Winkelmaß eingefugt sind, und Streben zwischen dem Richtscheit und den Schenkeln, die durch Einzapfung fest­ gemacht sind. Diese Streben haben lotrechte Linien aufgezeichnet, und diesen einzeln entsprechend hängen von dem Richtscheit Bleilote herab welche, wenn das Richtscheit aufgestellt ist und wenn sie genau auf die verzeichneten Linien einspielen, eine waagerechte Lage anzeigen.“ Aus Transportgründen bauten wir unseren Chorobat statt der beschriebenen 6m länger nur 3m lang.

Im ersten Versuch wurde der Richtscheit aus Fichtenholz gefertigt. Als Auswirkung mussten wir feststellen das das Wasser in der Wasserrinne durch das Holz rann. Eine Abdichtung mit Bentonit (Tonerde) hatte zwar Erfolg musste aber ständig nachgearbeitet werden. Eine weitere Abdichtung mit Bienenwachs war dagegen wartungsfrei, aber durch mechanische Beanspruchung empfindlich.

Im zweiten Versuch haben wir den Richtscheit aus Eschenholz gefertigt. Dieses Holz ist absolut dicht, es ist kein Wasserverlust in der Wasserrinne feststellbar. Eschenholz hat allerdings den Nachteil das es deutlich schwerer (und auch teurer) als Fichtenholz ist und somit das „Handling“ erschwert wird.

Arbeiten mit einem Chorobaten

Der Chorobat ist eine Art Wasserwaage. Um nun eine Strecke aus zu nivellieren wird in die Rinne Wasser eingefüllt. Über den Wasserspiegel kann man nun sehen ob der Chorobat waagerecht steht. Als Alternative dazu sind am dem Richtscheit rechts und links jeweils ein Lot angebracht. Wenn der Chorobat waagerecht steht decken sich die Schnüre des Chorbaten mit einer Kerbe am Rahmen. Dies funktioniert allerdings nur bei Windstille oder schwachem Wind. Um Ungenauigkeiten der Fertigung auszugleichen wird bei jedem Messvorgang der Chorobat um 180° gedreht.  

Die Groma: Der Winkelmesser

Als Grundlage für die Rekonstruktion  dienten uns die Publikationen von Prof. Grebe und die Abbildungen einer Groma auf einem Steinrelief aus Pompeji und einer Grabsteinplatte.

Die Groma ist ein Messinstrument um einen rechten Winkel (90°) zu bestimmen. Dabei wird die Mittelschnur auf den Eckpunkt gesetzt. Im Anschluss wird das Kreuz ausgerichtet und über 2 gegenüberliegende Schnüre, an den jeweils ein Lot befestigt ist, „navigiert“. Um Messfehler, durch Ungenauigkeiten bei der Fertigung des Kreuzes, auszuschließen wird der Messvorgang wiederholt nachdem das Kreuz um 90° gedreht wurde. Weicht der Messpunkt von der ersten Messung ab,  wird zwischen den beiden Messpunkten die Mitte als „wahrer“ Wert angenommen. Mit der Groma wurden so „Rechte Winkel“ zum Anlegen von z.B. Legionslagern, Strassen und Gebäuden bestimmt.

 Dieses Jahr zeigen wir unsere Messtechnik am 29. und 30.6. auf dem  Handwerkerfest in Xanten und am 3. und 4. 8. auf dem Römerfest Villa Borg.

Rekonstruktion einer röm. Skorpio

Als Informationsquellen dienten uns Bilder von archäologischen Funden und antike Schriften von Vitruv, sowie den Abhandlungen diverser Archäologen.

Die Spannkammern wurden Eichenholz hergestellt; der Schlitten und die Pfeife (Schieber) wurde dagegen  aus Buchenholz gefertigt.

Alle Abmaße begründen sich auf den Angaben des Vitruv. Er hatte hierbei den Durchmesser der Spannbuchsen als Basis genommen und fast alle anderen Bauteile diesem entsprechend ins Verhältnis gesetzt .
Die Spannbuchsen, den Verschluss und die Beschläge haben wir aus Metall gefertigt, für die Spannkammern wurde Rosshaar verwendet. Die in den Quellen auch genannten Materialien Tiersehnen und Frauenhaar scheitern and er Verfügbarkeit. 

Eine erste Sehne wurde aus Rinderdärmen gefertigt. 

Die Rinderdärme wurden eingesalzt angeliefert. Es folgten diese Arbeitsschritte:

-  Spülen und entsalzen der Därme

-  Flechten der 1.Sehne mit 4 Därmen

-  Aufhängen der Sehne zum trocknen

-  Nach etwa 3 Wochen einfetten der Sehne mit Melkfett

-  Um die Därme vor Fäulnis zu schützen wurde der Rest in Sonnenblumenöl
   einlegt und später verarbeitet.

-  Flechten von 2 weiteren Sehnen mit 6 und 8 Därmen

-  Aufhängen der Sehne zum Trocknen

-  Nach etwa 1,5 Wo einfetten der Sehne mit Melkfett

Dies war allerdings nicht von Erfolg gekrönt, da die Sehnen rissen. 

In einem zweiten versuch wurde das Vorgehen geändert:

Die Rinderdärme wurden  wieder eingesalzt angeliefert.  

- Entsalzen der Därme;  durch mehrmaliges ausspülen der Därme mit klaren Wasser wurde das Salz entfernt.

   Im Vorfeld wurden  diesmal 2 Därme miteinander verflochten, so dass im Inneren ein Teil des Salzes erhalten blieb. Die restlichen Därme sind nun frei von Salzrückständen. 

- Äschern der Därme. Darunter versteht man eine Vorstufe des Gerbens. Früher Asche in Wasser gelöst, heute wird Kalk verwendet: Wir haben dabei Kalk in Wasser gelöst und die Därme darin liegen lassen. Durch den Kalk werden Eiweisverbindungen   aufgebrochen und Gelatine ausgeschieden. Dies war ein wesentlicher Unterschied zum 1. Versuch. 

- Die Därme wurden nun nochmals in Wasser gespült. 

- Flechten der Därme in noch nassem Zustand. Dabei wurden Sehnen in der Stärke 2/3/4/6 Därme hergestellt. Anschließend aufspannen der Sehnen und 2 Wochen trocknen.

Auch diese Sehnen rissen.

Nach weiterer Trockenzeit und der Verwendung von mehr Därmen hielten diese aber. 

Die im 2.Versuch hergestellten Darmsehnen wurden nun im Schussversuch getestet. Die Darmsehnen lagen 3 Monate zum trocknen.
Zuerst wurde eine Sehne mit 6 Därmen wurde aufgezogen.
Ergebnis: Nach 7 Schüssen mit steigender Spannkraft ist die Sehne gerissen. Es wurde eine Reichweite von 25m erreicht.

Bei weiteren Schussversuchen wurde mit einer Sehne aus 12  angegerbten Rinderdärmen, die 12 Wochen trocknetengeschossen.
Es wurden 30 Schuss abgegeben. Die Reichweite betrug100m.
Die Sehne muss nochmal nachgespannt werden, eine größere Reichweite ist möglich!

Aktuelle verwenden wir eine reißfestere, geflochtene Sehne aus 22 Hanfkordeln, die mit Wachs behandelt wurde.

Diese Scorpios waren also nach einer Vorbereitungszeit einsatzbereit, konnten aber nicht ad hoc im Feld repariert werden, wenn keine Ersatzteile mitgeführt wurden. 

Wir wollten auch Geschwindigkeitsmessung an einem rekonstruierten röm. Torsionsgeschütz durchführen. 

Mittels einer High Speed Kamera wurde die V0 beim Abschuss ermittelt (d.h. die Geschwindigkeit bei der der Pfeil das Geschütz verlässt) gemessen.

Randbedingungen: - Witterung trocken - leichter Seitenwind in Schussrichtung von links.

- Außentemperatur 14°C - Aufnahmefrequenz 1000 Bilder/Sekunde - Sehne bei allen Schüssen max. gespannt ; Zugkraft an der Klaue: 115 kg. 

Ergebnis: Es wurde eine Abschussgeschwindigkeit von 43,4 m/s (156,24 km/h) erreicht. Ein Unterschied zwischen Pfeilen aus Buche oder Kiefer war nicht messbar.

Zu besichtigen ist unsere Scorpio dieses Jahr vom 30.5. bis 2.6. auf bei den Historienspielen Ehrenbreitstein und 6. und 7.7. im Keltenpark Otzenhausen.

 

Auch 2019 sind wir wieder bei einigen Veranstaltungen dabei:

 

Am 19.05.2019 sind wir zum internationalen Museumstag im rheinischen Landesmuseum Trier

Vom 24.-.26.5. nehmen wir am Römerfest teil. Auch dieses ist in Trier.

Vom 30.5.-2.6. sind wir auf der Feste Ehrenbreitstein zu den  Historienspielen.

09.06 - 10.06.2019 sind wir in Kalkriese.

29.06 - 30.06.2019 nehmen wir am Handwerkerfest in Xanten teil. 

06.07-07.07.2019 findet man uns in Nonnweiler.

03.08 - 04.08.2019 sind wir auf der Villa Borg.

Am 08.09.2019 gestalten wir den Tag des offenen Denkmals in Belginum mit.