VIGILIA ROMANA VINDRIACUM

Eingetragener Verein für rekonstruktive Geschichte

Rekonstruktion einer röm. Skorpio

 

Die Fragestellung: - Wie war die Funktionsweise einer römischen Skorpio des 1 Jhd.n.Chr.)

- Welche Materialien wurden beim Geschützbau verwendet? - Welche Kräfte wirken beim Schießen mit einer Skorpio?

- Wie groß war die Reichweite?

Zur Duchführung:

  1. Bau der Skorpio
  2. Anfertigen einer Sehne aus Rinderkranzdärmen:
  3. Schusstest der Skorpio
  4. Zugkraftmessungen an rekonstruierten röm. Torsionsgeschützen

 

  • Geschwindigkeitsmessungen; hier Bestimmung der V0

 

Die historischen Grundlagen einer Rekonstruktion:

Als Informationsquellen dienten uns Bilder von archäologischen Funden und antike Schriften von Vitruv, sowie den Abhandlungen diverser Archäologen.

 

1.Bauabschnitt: Die Spannkammern wurden aus Eichenholz; der Schlitten und die Pfeife (Schieber) aus Buchenholz gefertigt.

Alle Abmaße begründen sich auf den Angaben des Vitruv (z.Zt des Augustus)

Vitruv hatte hierbei den Durchmesser der Spannbuchsen als Basis genommen und fast alle anderen Bauteile diesem entsprechend ins Verhältnis gesetzt.

 

 

 

 

 

 

  1. Bauabschnitt:

Die Spannbuchsen sind gefertigt und montiert; der Abzug wurde gefertigt und montiert und die Sperrklingen mit dem Spannmechanismus wurde fertiggestellt und angebracht.

 

  1. Bauabschnitt: Fertigen und Anbringen der Metallverkleidungen.

Bespannung aus Rosshaarseilen

 

 

 

 

 

 

 

Anfertigen einer Sehne aus Rinderkranzdärmen:

1.Versuch: November 2013

Material: Rinderkranzdärme Kaliber 16-32

Verarbeitung:

Die Rinderdärme wurden eingesalzt angeliefert.

-           Spülen und entsalzen der Därme

-           Flechten der 1.Sehne mit 4Därmen

-           Aufhängen der Sehne zum trocknen

-           Nach etwa 3 Wochen einfetten der Sehne mit Melkfett

-           Um die Därme vor Fäulnis zu schützen wurde der Rest in Sonnenblumenöl           eingelegt und später verarbeitet.

-           Flechten von 2weiteren Sehnen mit 6 und 8 Därmen

-           Aufhängen der Sehne zum trocknen

-           Nach etwa 1,5 Wo einfetten der Sehne mit Melkfett

Ergebnis: reißen der Darmsehnen

 

 

 

2.Versuch: März 2014

Material: Rinderkranzdärme Kaliber32

Verarbeitung:

Die Rinderdärme wurden eingesalzt angeliefert.  

1 Bearbeitungsschritt: Entsalzen der Därme; durch mehrmaliges ausspülen der Därme mit klaren Wasser wurde das Salz entfernt.

Im Vorfeld wurden 2 Därme miteinander verflochten, so das im Inneren ein Teil des Salzes erhalten blieb. Die restlichen Därme sind nun frei von Salzrückständen. 

2 Bearbeitungsschritt: Äschern der Därme. Darunter versteht man eine Vorstufe des Gerbens. Früher Asche in Wasser gelöst, heute wird Kalk verwendet.

Wir haben dabei Kalk in Wasser gelöst und die Därme darin liegen lassen.

Durch den Kalk werden Eiweisverbindungen aufgebrochen und Gelantine ausgeschieden. 

3 Bearbeitungsschritt: Die Därme wurden nun nochmals in Wasser gespült. 

4 Bearbeitungsschritt: Flechten der Därme in noch nassem Zustand. Dabei wurden Sehnen in der Stärke 2/3/4/6 Därme hergestellt. Anschließen aufspannen der Sehnen und trocknen (2Wo).

Ergebnis: reißen der Darmsehnen

 

3.Versuch: Mai 2014

Material: Rinderkranzdärme Kaliber32

Die im 2.Versuch hergestellten Darmsehnen wurden nun im Schussversuch getestet. Die Darmsehnen lagen 3 Monate zum trocknen. Erster-Test: Sehne mit 6 Därmen wurde aufgezogen. Ergebnis: Nach 7 Schüssen mit steigender Spannkraft ist die Sehne gerissen. Es wurde eine Reichweite von 25m erreicht.

Zweiter-Test: Schussversuche mit einer Sehne aus 12 Rinderdärmen. Trocknungsdauer der angegerbten und geflochtenen Därme 12 Wochen. Ergebnis: Die Sehne hält!!!! Es wurden 30 Schuss abgegeben. Die Reichweite betrug100m. Die Sehne muss nochmal nachgespannt werden, eine größere Reichweite ist möglich!!

 

Schusstest der Skorpio:

Mit steigenden Zugkräften wurden Schussversuche mit verschieden langen Spannarmen durchgeführt. Dabei wurde der Schlitten jeweils 10 und 45° geneigt

Ergebnis:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zugkraftmessungen an rekonstruierten röm. Torsionsgeschützen

Problemstellung: Um die Belastungen auf Abzugseinrichtung und Sehne beurteilen zu können sollten die entsprechenden Zugkräfte gemessen werden.

Messgeräte: 1: Zugmessglied: Kraftmessung mittels Dehnmessstreifen; Vollbrücke Speisung 5V 2: Digitaler Dehnungsmesser Fa: HBM Typ DMD 20 A 3: Digitalmultimeter HP 3478A

Messungen: Am 13.12.2014 wurden zuerst die Momente an den Spannbuchsen gemessen. Dabei wurde die Kraft am Spannschlüssel bei 1m Länge abgegriffen und das jeweilige Spannmoment, an den 4 Spannbuchsen, berechnet.

Anschließend wurde ein Zugmessglied an der Sehne befestigt. Durch stufenweises Steigern der Zugkraft wurde die Sehne bis zur max. Auslängung belastet. Dieser Versuch wurde 2. Mal durchgeführt, wobei die Sehne nach der zweiten Messung nicht entlastet wurde. Durch kontinuierlich Messung der max. Kraft in Abhängigkeit der Zeit sollte bestimmt werden wie weit die Zugkraft an der Sehne, bei max. Spannung, nachlässt.

Neben dem Geschütz den Vigilia Romana Vindriacum wurden noch 2 Geschütze der Universität Trier vermessen.

 

Geschütze: 1: Nachbau einer röm. Skorpio Vereins: Vigilia Romana Vindriacum aus Wintrich; Wurfarmlänge 55 cm

2: Nachbau einer röm. Skorpio: Uni Trier; Wurfarmlänge 58 mm

3: Nachbau einer röm. Skorpio: Uni Trier; Wurfarmlänge 53 mm

Randbedingungen: Temperatur: 7°C Witterung: geschlossener Raum trocken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschwindigkeitsmessung an einem rekonstruierten röm. Torsionsgeschütz (20.06.2015)

Mittels einer High Speed Kamera wurde die V0 beim Abschuss ermittelt (d.h. die Geschwindigkeit bei der der Pfeil das Geschütz verlässt).

Randbedingungen: - Witterung trocken - leichter Seitenwind in Schussrichtung von links

- Außentemperatur 14°C - Aufnahmefrequenz 1000 Bilder/Sekunde - Sehne bei allen Schüssen max. gespannt (Sehne: 22 Hanfkordeln mit Wachs behandelt und geflochten); Zugkraft an der Klaue: 115 kg

Ergebnis: Es wurde eine Abschussgeschwindigkeit von 43,4 m/s (156,24 km/h) erreicht. Ein Unterschied zwischen Pfeilen aus Buche oder Kiefer war nicht messbar.

 

               
           
 
       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufnahmen einer High Speed Kamera:

Schuß über eine Strecke von 1m zur Ermittlung der v0